Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund bei einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Der Edel-Reizker ist ein mittelgrosser Milchling mit orangem bis karottenfarbenem Hut, der meist dunklere konzentrische Zonen zeigt und im Alter oder bei Berührung grünfleckig wird. Der Hut ist zunächst gewölbt, später in der Mitte vertieft bis leicht trichterförmig, mit jung eingerolltem Rand.
Die Lamellen sind gedrängt, orange, leicht herablaufend und verfärben bei Druck grün. Der Stiel ist kurz, orange, bald hohl und oft mit dunkleren Grübchen gezeichnet. Beim Anschneiden tritt eine karottenorange Milch aus, die lange orange bleibt und erst langsam grünlich wird. Der Geschmack ist mild bis leicht bitter.
Ähnliche essbare Arten sind der Fichten-Reizker (Lactarius deterrimus), der Lachs-Reizker (L. salmonicolor) bei Tanne sowie L. sanguifluus und L. semisanguifluus, deren Milch weinrot ist oder innerhalb von Minuten rötet. Milchfarbe und Baumpartner sind die wichtigsten Merkmale.
Lebensraum und Ökologie
Lactarius deliciosus ist ein Mykorrhizapartner von Kiefern und besonders häufig in jungen Kiefernbeständen, auf sandigen oder kalkhaltigen Böden, auf grasigen Lichtungen und entlang von Forstwegen. Mit angepflanzten Kiefern wurde er auch auf andere Kontinente verschleppt.
Die Fruchtkörper erscheinen vom Spätsommer bis in den Spätherbst. In Mitteleuropa ist er seltener als der Fichten-Reizker und bevorzugt wärmere, kalkreichere Kiefernstandorte.
Verwendung und Bedeutung
Der Edel-Reizker wird in Spanien, Südfrankreich, Italien, Osteuropa und Russland viel gegessen. Typisch ist das Grillen oder Braten mit Knoblauch und Petersilie; ausserdem wird er geschmort oder in Öl, Essig oder Salz eingelegt. Sein festes, etwas körniges Fleisch eignet sich gut für den Grill.
Die Forschung hat untersucht, ihn in Pflanzungen mit beimpften Kiefernsetzlingen zu erzeugen, doch fast alle Edel-Reizker im Handel stammen aus Wildsammlung.
Sicherheit und Speisewert
Der Edel-Reizker ist ein guter Speisepilz, wenn er sicher bestimmt und gut gegart wird. Lassen Sie jeden Wildpilz persönlich von einer Fachperson prüfen, etwa einer geprüften Pilzsachverständigen oder einem Pilzverein; eine Website reicht nicht aus.
- Der wichtigste giftige Doppelgänger ist der Birken-Reizker (Lactarius torminosus) mit rosafarbenem, zottig bewimpertem Hutrand und weisser, scharfer Milch. Er verursacht Magen-Darm-Vergiftungen.
- Auch andere orange oder rosa Milchlinge mit weisser Milch können Beschwerden auslösen; nur Arten mit oranger oder roter Milch gehören zur hier beschriebenen essbaren Gruppe.
- Nach dem Verzehr kann sich der Urin orangerot färben. Das liegt an Farbstoffen des Pilzes und ist harmlos.
- Oft madig: Schneiden Sie jedes Exemplar längs auf und verwerfen Sie befallene.
Garen Sie Milchlinge stets gründlich.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Schneiden Sie die Lamellen an und prüfen Sie die Milch. Der Edel-Reizker hat karottenorange Milch, die lange orange bleibt. Der Fichten-Reizker hat orange Milch, die innerhalb etwa einer halben Stunde weinrot wird, und wächst bei Fichten. L. sanguifluus hat von Anfang an weinrote Milch. Der Birken-Reizker hat weisse Milch, einen zottigen rosa Hut und wächst bei Birken; er ist giftig.
Regionale Hinweise
In Deutschland kommt der Edel-Reizker vor allem in Kiefernwäldern auf kalkhaltigen oder sandigen Böden vor, ist aber seltener als der häufige Fichten-Reizker. Er steht nicht in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung und darf nach § 39 Abs. 3 BNatSchG in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf gesammelt werden, nicht jedoch in Naturschutzgebieten.
In der Schweiz legen die Kantone Höchstmengen und Schontage fest; amtliche Pilzkontrollstellen prüfen Ihr Sammelgut.