Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund bei einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Coprinopsis atramentaria, lange als Coprinus atramentarius bekannt, wächst in dichten Büscheln aus vergrabenem Holz, Wurzeln oder Baumstümpfen. Junge Hüte sind eiförmig und öffnen sich glocken- oder kegelförmig auf 3–7 cm. Der Hut ist grau bis graubraun, in der Mitte manchmal etwas dunkler und fein schuppig, und zum Rand hin fein radial gefurcht.
Die Lamellen sind frei und gedrängt, zunächst weiss, dann purpurbraun bis schwarz. Wie bei anderen Tintlingen zerfliesst der reife Hut: Lamellen und Hutrand lösen sich vom Rand her in eine schwarze, tintenartige Flüssigkeit auf, die die Sporen verbreitet. Der Stiel ist weiss, hohl und brüchig, mit einer schwachen ringartigen Zone nahe der Basis. Das Sporenpulver ist schwarz; die Sporen sind glatt, ellipsoid und mit Keimporus.
Die Art gehört zur Familie Psathyrellaceae und ist trotz der gemeinsamen Fähigkeit zum Zerfliessen nicht eng mit dem Schopf-Tintling, Coprinus comatus, verwandt.
Lebensraum und Ökologie
Der Graue Falten-Tintling ist ein Saprobiont, der vergrabenes Holz und andere organische Substanz abbaut. Er ist häufig in Gärten, Parks, auf Rasen, an Wegrändern, auf Baustellen und Waldlichtungen, besonders an Stümpfen und dort, wo Holz oder Wurzeln im Boden liegen. Er kann vom Frühling bis in den Spätherbst erscheinen, oft plötzlich nach Regen, und die Fruchtkörper halten nur ein bis zwei Tage, bevor sie zerfliessen.
Er ist in Europa, Nordamerika und anderen gemässigten Regionen weit verbreitet und wächst häufig nahe an Häusern.
Verwendung und Bedeutung
Die Tinte der zerfliessenden Hüte wurde früher zum Schreiben und Zeichnen verwendet, worauf der Name Tintling zurückgeht.
Heute ist die Art vor allem toxikologisch bedeutsam. Die Fruchtkörper enthalten Coprin, eine ungewöhnliche Aminosäure. Im Körper hemmt ein Abbauprodukt des Coprins die Aldehyddehydrogenase, das Enzym, das aus Alkohol entstehendes Acetaldehyd abbaut. Ist Alkohol vorhanden, reichert sich Acetaldehyd an, und es kommt zum sogenannten Coprin-Syndrom, einer Reaktion ähnlich der durch das Medikament Disulfiram. Die Wirkung kann mehrere Tage nach der Pilzmahlzeit anhalten, sodass auch später getrunkener Alkohol noch Beschwerden auslösen kann.
Coprin wurde als pharmakologisches Werkzeug untersucht, aber nicht zu einem Arzneimittel entwickelt, unter anderem wegen Bedenken aus Tierversuchen.
Sicherheit und Speisewert
Fungaris stuft den Grauen Falten-Tintling als giftig ein und rät vom Verzehr ab. Die Reaktion tritt auf, wenn kurz vorher, zusammen mit der Mahlzeit oder noch mehrere Tage danach Alkohol aufgenommen wird; Alkohol kann auch in Sossen, Desserts oder Arzneimitteln verborgen sein.
Die Symptome beginnen meist Minuten bis wenige Stunden nach dem Alkoholkonsum mit Gesichtsrötung, Hitzegefühl, Herzrasen oder Herzklopfen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und Schwindel, manchmal mit Blutdruckabfall. Für Menschen mit Herzerkrankungen kann die Reaktion gefährlich sein. Wer nach dem Verzehr von Tintlingen solche Beschwerden bemerkt oder einen unbekannten Pilz gegessen hat, sollte sofort ärztliche Notfallhilfe suchen und Pilzreste aufbewahren.
Verlassen Sie sich nie auf eine Website, App oder ein Foto; lassen Sie jeden Fund persönlich von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen prüfen.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Der Schopf-Tintling (Coprinus comatus) ist hoch und walzenförmig, weiss mit abstehenden Schuppen, und wächst einzeln oder gesellig im Gras statt in grauen Büscheln auf Holz; Coprin ist von ihm nicht bekannt. Andere graue Tintlinge, etwa Coprinopsis romagnesiana mit bräunlichen Schüppchen oder Arten der Gattung Coprinellus wie der Glimmer-Tintling (Coprinellus micaceus), können ebenfalls verwechselt werden. Da graue Tintlinge schwer zu unterscheiden und chemisch nicht vollständig untersucht sind, sollten graue Tintlinge nur nach persönlicher Bestätigung durch eine Fachperson überhaupt in Betracht gezogen werden.
Regionale Hinweise
In Deutschland und der Schweiz ist der Graue Falten-Tintling in Gärten, Parks, auf Friedhöfen und an Wegrändern häufig. Fälle von Coprin-Syndrom entstehen meist, wenn Sammler ihn mit dem Schopf-Tintling verwechseln oder die Wechselwirkung mit Alkohol nicht kennen; Pilzberatungen weisen daher regelmässig auf diese Gefahr hin.
