Bestimmungsmerkmale
Das gehandelte Produkt besteht aus zwei Teilen: einer mumifizierten, gelbbraunen Raupe von wenigen Zentimetern Länge, die vollständig von Pilzgewebe ausgefüllt ist, und einem schlanken, dunkelbraunen Stroma, das aus dem Kopf der Raupe wächst und die Bodenoberfläche durchstösst. Der fruchtbare Teil nahe der Spitze trägt eingesenkte Perithecien. Im Gelände ragt nur die dünne braune Spitze zwischen Gras und Moos hervor, was das Sammeln sehr mühsam macht.
Die Art war lange als Cordyceps sinensis bekannt und wurde 2007 aufgrund molekularer Daten in die Gattung Ophiocordyceps gestellt. Das asexuelle Stadium wurde als Hirsutella sinensis beschrieben. Da hohe Preise Fälschungen begünstigen, ist eine sichere Bestimmung von Produkten meist nur mit DNA-Methoden möglich.
Lebensraum und Ökologie
O. sinensis wächst in alpinen Matten und Gebüschen in etwa 3000–5000 m Höhe im tibetischen Hochland und im Himalaya, darunter Tibet, Qinghai, Sichuan, Yunnan, Gansu, Nepal, Bhutan und Nordindien. Wirte sind im Boden lebende Raupen von Wurzelbohrern (Hepialidae), überwiegend der Gattung Thitarodes. Der Pilz infiziert die Larve im Boden, tötet sie über den Winter und fruktifiziert im Frühjahr aus der toten Raupe; daher der chinesische Name Winterwurm, Sommergras. Klimawandel und intensive Sammeltätigkeit gelten als Gefährdungsursachen.
Verwendung und Bedeutung
Der Pilz hat eine lange Tradition in der tibetischen und chinesischen Heilkunde und wird zu sehr hohen Preisen gehandelt; für viele Haushalte im Hochland ist das Sammeln eine wichtige Einkommensquelle. Labor- und Tierstudien haben Extrakte auf Effekte auf Immunsystem, Erschöpfung und Nierenfunktion untersucht, häufig mit kultiviertem Myzel unsicherer Identität statt mit Wildmaterial. Belastbare klinische Belege am Menschen fehlen. Die oft wiederholte Aussage, O. sinensis enthalte Cordycepin, ist umstritten: Eine Studie von 2017 fand keine Cordycepin-Bildung durch diese Art, anders als bei Cordyceps militaris.
Fruchtkörper lassen sich künstlich nur sehr schwer erzeugen. Die meisten Cordyceps-Produkte bestehen aus kultiviertem Myzel verschiedener Pilze oder aus C. militaris, nicht aus wildem O. sinensis.
Sicherheit und Speisewert
Der wilde Raupenpilz ist kein Lebensmittel, sondern ein traditionelles Heilmittel und Forschungsobjekt. In Wildmaterial wurden hohe Gehalte an Arsen und anderen Schwermetallen gefunden, und Verfälschungen (zugesetzte Gewichte, Ersatzarten) sind verbreitet. Nahrungsergänzungsmittel gelten in der EU als Lebensmittel, und für diese Art ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Ersetzen Sie damit keine ärztliche Behandlung und sprechen Sie vor der Einnahme von Cordyceps-Produkten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders in der Schwangerschaft, bei Medikamenteneinnahme oder chronischen Erkrankungen.
Rechtlich ist die Art in Chinas Liste der national prioritär geschützten Wildpflanzen von 2021 in der zweiten Schutzklasse geführt, der Handel ist reguliert. In Nepal wurde das Sammeln 2001 legalisiert und ist abgabepflichtig.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Im Handel wird O. sinensis durch andere Ophiocordyceps-Arten derselben Region, durch kultiviertes Myzel unter gleichem Namen und durch die orangefarbene, angebaute Cordyceps militaris ersetzt. Auch Fälschungen aus geformtem Mehl oder Pflanzenmaterial sind beschrieben. Bei verarbeiteten Produkten bringt nur eine DNA-Analyse Gewissheit.
Regionale Hinweise
In Deutschland und der Schweiz kommt die Art nicht wild vor; im Handel sind importierte Nahrungsergänzungsmittel, meist aus kultiviertem Myzel oder Cordyceps militaris. Laut Fachpresse wird O. sinensis seit 2025 im Novel-Food-Katalog der EU als nicht neuartig geführt; das erlaubt jedoch keine gesundheitsbezogenen Werbeaussagen.
