Bestimmungsmerkmale
Der Fruchtkörper ist ein flacher, fleischiger, fladenartiger Belag an Wänden, Böden oder Holz. Die Fruchtschicht ist rostbraun und runzelig bis wabenartig gefaltet, umgeben von einem weissen bis grauen Zuwachsrand. Er setzt grosse Mengen rostbraun-oranger Sporen frei, die sich oft als feiner Staub in der Umgebung absetzen und ein Warnsignal sind.
Bei hoher Feuchte bildet das Myzel weisse, watteartige Polster, auf denen Wassertropfen stehen können; an trockeneren Stellen entstehen seidig graue Häute mit lila oder gelben Flecken. Der Pilz bildet dicke graue Stränge, die Wasser und Nährstoffe über Ziegel, Putz und Stein zu neuem Holz leiten. Befallenes Holz verbräunt, schwindet und zerfällt in grosse Würfel, klingt hohl oder zerbröselt. Typisch ist ein muffiger Pilzgeruch. Da mehrere Holzzerstörer ähnliche Schäden verursachen, sollte eine sachkundige Fachperson oder ein Labor die Art per Mikroskopie oder DNA-Nachweis bestimmen.
Lebensraum und Ökologie
Serpula lacrymans ist an das Leben in Gebäuden angepasst. Er braucht Holz mit deutlich erhöhter Feuchte, bevorzugt mässige Temperaturen um 20 °C und ist hitzeempfindlich. Undichte Dächer, Dachrinnen und Leitungen, aufsteigende oder eindringende Feuchte, verstopfte Lüftungsöffnungen und Holz in Kontakt mit feuchtem Mauerwerk sind typische Ursachen. Wilde Populationen sind aus Bergwäldern weniger Regionen bekannt, etwa aus dem Himalaya; Studien deuten darauf hin, dass sich die Gebäudepopulationen von dort mit dem Menschen ausgebreitet haben.
Ökologisch ist er ein Braunfäulepilz: Er baut Zellulose und Hemizellulose mit einer Kombination aus Enzymen und oxidativer Chemie ab und lässt verändertes Lignin zurück. Daher ist er auch ein Forschungsobjekt zum Holz- und Biomasseabbau.
Verwendung und Bedeutung
Der Echte Hausschwamm hat keine Nutzung als Lebensmittel oder Rohstoff. Bedeutend ist er als einer der wichtigsten Verursacher von Bauschäden, vor allem in Altbauten in Mitteleuropa, wo er teure Sanierungen und in schweren Fällen das Versagen von Decken, Dachstühlen und Balken verursachen kann. Das Umweltbundesamt bezeichnet einen Befall als schweren Baumangel. Sein Genom ist sequenziert, und die Erforschung seines Abbaumechanismus hilft, die Evolution der Braunfäulepilze und den Holzschutz zu verstehen.
Sicherheit und Speisewert
Der Echte Hausschwamm wird nicht gegessen und gilt nicht als Infektionsrisiko für Menschen. Grosse Mengen Sporen und Staub aus zersetztem Material können jedoch die Atemwege reizen; tragen Sie bei Begutachtung und Rückbau geeigneten Atemschutz und holen Sie bei Atembeschwerden ärztlichen Rat ein. Die Hauptgefahr ist statisch: Geschwächtes Holz kann versagen.
Vorbeugen heisst Gebäude trocken halten: Lecks rasch beheben, Dachrinnen und Entwässerung instand halten, Belüftung unter Böden sichern und Holz von feuchtem Mauerwerk trennen. Bei Verdacht sollte eine sachkundige Fachperson den Befall beurteilen. Die Sanierung richtet sich in Deutschland nach DIN 68800-4: Feuchtequelle beseitigen, befallenes Material mit Sicherheitsabstand entfernen und die Konstruktion austrocknen.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Andere Gebäudepilze verursachen ähnliche Schäden. Der Braune Kellerschwamm (Coniophora puteana) braucht nasseres Holz, bildet dünne, dunkelbraune bis schwärzliche Stränge und wächst kaum über Mauerwerk. Der Weisse Porenschwamm (Fibroporia vaillantii) bildet weisse, biegsame Stränge und weisse Porenflächen. Serpula himantioides ist ein naher Verwandter, meist im Freien. Weisse Schimmelbeläge auf feuchten Wänden sind Oberflächenwuchs ohne Stränge oder tiefe Holzzerstörung. Eine fachliche Diagnose wird empfohlen.
Regionale Hinweise
Nach Angaben des Umweltbundesamts ist der Echte Hausschwamm in Mitteleuropa für einen grossen Teil der pilzbedingten Bauschäden verantwortlich, und ein Befall ist in einigen Bundesländern meldepflichtig; massgeblich ist die jeweilige Landesbauordnung. Für die Sanierung verweist das Umweltbundesamt auf DIN 68800-4 und auf Fachbetriebe oder sachkundige Gutachter.