Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund bei einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Der Fleischbräunliche Schirmling ist ein kleiner, eher gedrungener Schirmling. Der Hut ist gewölbt, später flach, weisslich bis blassrosa und mit weinbraunen bis purpurbraunen Schuppen in konzentrischen Kreisen besetzt, die zur glatten, dunkleren Mitte hin zusammenfliessen. Die Lamellen sind frei, gedrängt und weiss bis cremefarben, das Sporenpulver ist weiss. Der Stiel ist für einen Lepiota kurz und dick, oben weisslich und unterhalb einer undeutlichen, vergänglichen Ringzone rosabraun gegürtelt, an der Basis oft rötlich. Es gibt weder Scheide noch verschiebbaren Ring.
Die sichere Artbestimmung erfordert Erfahrung und meist das Mikroskop: Die Sporen sind klein, elliptisch und dextrinoid (färben sich in Melzers Reagenz rotbraun). Mehrere nahe Verwandte, etwa Lepiota subincarnata (syn. L. josserandii), L. helveola und L. castanea, sehen ähnlich aus und enthalten ebenfalls Amatoxine.
Lebensraum und Ökologie
Lepiota brunneoincarnata ist ein Saprobiont, der von organischem Material im Boden lebt. Er wächst an grasigen und gestörten Stellen: auf Rasen, in Parks, Gärten, auf Friedhöfen, an Weg- und Waldrändern, oft auf nährstoffreichen oder kalkhaltigen Böden. Am häufigsten ist er in Süd- und Mitteleuropa; Funde gibt es auch aus Nordafrika und Asien. Er fruchtet vor allem vom Spätsommer bis in den Herbst, gelegentlich nach Regen im Frühjahr.
Verwendung und Bedeutung
Als Speisepilz hat er keine Bedeutung. Er gehört zu einer Gruppe kleiner Schirmlinge, die Amatoxine enthalten, jene zyklischen Peptide, die auch die Knollenblätterpilzvergiftung verursachen. Amatoxine hemmen die RNA-Polymerase II, stoppen die Eiweissbildung der Zellen und schädigen vor allem die Leber; Kochen, Trocknen und Einfrieren überstehen sie. Weil er in Parks und Gärten wächst, zeigt er, dass tödliche Pilze nicht nur im Wald vorkommen. Veröffentlichte Fallberichte, vor allem aus Südeuropa, dokumentieren schwere und tödliche Vergiftungen.
Sicherheit und Speisewert
Tödlich giftig. Schon wenige kleine Hüte können eine schwere Vergiftung auslösen. Die Beschwerden beginnen meist 6 bis 24 Stunden nach dem Verzehr mit heftigem Erbrechen, wässrigem Durchfall und Bauchschmerzen. Danach kann eine trügerische Besserung folgen, während die Leberschädigung fortschreitet, mit Leber- und teils Nierenversagen nach zwei bis vier Tagen.
Wenn jemand diesen oder einen anderen kleinen, geschuppten Schirmling gegessen haben könnte, suchen Sie sofort ärztliche Notfallhilfe auf, auch bevor Beschwerden auftreten, und nehmen Sie Reste oder Fotos mit. Keine Zubereitung macht ihn geniessbar. Kleine Schirmlinge sind grundsätzlich nicht zum Verzehr geeignet; gesammelt werden höchstens grosse, von einer sachkundigen Person persönlich bestimmte Riesenschirmlinge. Achten Sie auch auf Kinder, die auf Rasenflächen spielen.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Verwechselt wird er vor allem mit kleinen oder jungen Parasolen (Macrolepiota procera und Verwandte). Echte Parasole sind viel grösser, haben einen genatterten Stiel und einen dicken, doppelten, verschiebbaren Ring; ein geschuppter Pilz mit weniger als etwa 10 cm Hutdurchmesser sollte nie als Parasol gelten. Weitere mögliche Verwechslungen sind der Nelken-Schwindling (Marasmius oreades) mit zähem, glattem Stiel und entfernt stehenden Lamellen sowie kleine Champignons (Agaricus) mit rosa bis dunkelbraunen Lamellen. Seine Gifte entsprechen denen des Grünen Knollenblätterpilzes (Amanita phalloides), der sich durch Scheide und grünlichen Hut unterscheidet.
Regionale Hinweise
In Deutschland ist der Fleischbräunliche Schirmling selten und vor allem aus wärmebegünstigten Regionen bekannt; nahe verwandte, ebenfalls amatoxinhaltige kleine Schirmlinge kommen häufiger vor. Pilzsachverständige der DGfM und in der Schweiz die VAPKO-Pilzkontrollstellen raten einhellig davon ab, kleine Schirmlinge zu sammeln.


