Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund bei einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Der Gift-Häubling gehört zu den kleinen braunen Pilzen, die man leicht als unscheinbar abtut, und genau das macht ihn gefährlich. Der Hut ist gewölbt, später flach, manchmal mit kleinem Buckel, und hygrophan: feucht dunkel honigbraun, beim Abtrocknen von der Mitte her heller, sodass er zweifarbig wirkt. Die Lamellen sind angewachsen, zuerst blassgelblich, dann rostbraun, das Sporenpulver ist rostbraun. Der Stiel trägt einen dünnen, häutigen Ring, der sich durch Sporen oft braun färbt; darunter ist er auf dunklerem Grund mit feinen silbrig-weissen Fasern überzogen, trägt aber nie abstehende Schüppchen.
Mikroskopisch sind die Sporen mandelförmig, fein warzig und haben eine glatte Stelle (Plage) nahe der Basis. Nach heutiger Auffassung gehören die früheren Arten Galerina autumnalis, G. unicolor und G. venenata zu G. marginata.
Lebensraum und Ökologie
Der Gift-Häubling ist ein Saprobiont, der totes Holz von Nadel- und Laubbäumen zersetzt. Er wächst einzeln oder in kleinen Büscheln auf Stämmen, Stümpfen, vergrabenem Holz, Holzhäcksel und Ästen, oft zwischen Moos. Er ist auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet und auch aus Australien bekannt. Fruchtkörper erscheinen bei mildem, feuchtem Wetter in fast jedem Monat, mit einem Schwerpunkt im Herbst, also zur selben Zeit und oft am selben Stumpf wie essbare Holzpilze.
Verwendung und Bedeutung
Als Speisepilz hat er keine Bedeutung. Wichtig sind seine Gifte: Er enthält Amatoxine (Alpha- und Gamma-Amanitin) in ähnlicher Menge wie der Grüne Knollenblätterpilz. Amatoxine hemmen die RNA-Polymerase II, verhindern so die Eiweissbildung in den Zellen und schädigen vor allem die Leber. Kochen, Trocknen oder Einfrieren zerstört sie nicht. Untersuchungen an dieser Art haben gezeigt, wie die Fähigkeit zur Amatoxinbildung auch in nicht mit Amanita verwandten Pilzen entstand. Tödliche und lebensbedrohliche Vergiftungen kamen vor, wenn er für Stockschwämmchen, Hallimasch oder in einzelnen Fällen für halluzinogene Psilocybe-Arten gehalten wurde.
Sicherheit und Speisewert
Tödlich giftig. Schon wenige Hüte können lebensgefährlich sein. Wie beim Grünen Knollenblätterpilz beginnen die Beschwerden mit langer Verzögerung, meist 6 bis 24 Stunden nach der Mahlzeit, mit heftigem Erbrechen, wässrigem Durchfall und Bauchschmerzen. Danach kann eine scheinbare Besserung eintreten, während die Leber geschädigt wird; nach zwei bis vier Tagen drohen Leber- und teils Nierenversagen.
Wenn jemand diesen Pilz oder einen unbestimmten kleinen braunen Holzpilz gegessen haben könnte, suchen Sie sofort ärztliche Notfallhilfe auf, auch bevor Beschwerden auftreten, und nehmen Sie Reste oder Fotos mit. Keine Zubereitung macht ihn geniessbar. Kleine braune Pilze vom Holz sollten nur gegessen werden, wenn eine sachkundige Person jedes einzelne Exemplar persönlich geprüft hat, denn ein einziger Gift-Häubling kann sich in einem Büschel Speisepilze verstecken.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Die gefährlichste Verwechslung ist das Gemeine Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis). Beide sind braun, hygrophan, beringt und wachsen auf Holz, doch das Stockschwämmchen hat unterhalb des Rings kleine, abstehende braune Schüppchen, wächst meist in grösseren, dichteren Büscheln auf Laubholzstümpfen und hat glatte Sporen mit Keimporus. Der Samtfussrübling (Flammulina velutipes, verwandt mit dem kultivierten Enoki, F. filiformis) hat einen samtigen dunklen Stiel, weisses Sporenpulver und keinen Ring. Hallimasch (Armillaria) ist grösser und hat weisses Sporenpulver. Der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) hat grünlich-gelbe Lamellen und purpurbraunes Sporenpulver; Psilocybe-Arten haben purpurschwarze Sporen.
Regionale Hinweise
In Deutschland ist der Gift-Häubling häufig und in Nadel- wie Laubwäldern verbreitet, besonders auf Fichtenholz; auch in der Schweiz kommt er häufig vor. Weil das Stockschwämmchen ein beliebter Speisepilz ist, gehört diese Verwechslung zu den klassischen Warnungen der Pilzsachverständigen der DGfM und der VAPKO-Pilzkontrollstellen in der Schweiz. Lassen Sie Stockschwämmchen immer Stück für Stück kontrollieren.



