Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund bei einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Agaricus xanthodermus ist ein mittelgrosser bis grosser, weisser Champignon mit freien Lamellen, die zunächst blassrosa sind und mit reifenden Sporen schokoladenbraun werden. Der Hut ist weiss bis schmutzig weiss, manchmal mit feinen graubraunen Fasern, und bei manchen Formen oben abgeflacht bis fast eckig. Der Stiel trägt einen breiten, doppelt gerandeten Ring.
Zwei Prüfungen sind entscheidend. Erstens färbt sich der gekratzte Hutrand oder die angeschnittene Stielbasis sofort intensiv chromgelb, später bräunlich. Zweitens riecht das Fleisch, vor allem in der Stielbasis, unangenehm nach Tinte, Phenol (Karbol) oder Desinfektionsmittel; beim Erwärmen oder Kochen wird der Geruch stärker. Keine der Prüfungen ist perfekt: Alte oder trockene Exemplare reagieren schwach, und manche Menschen nehmen den Geruch schlecht wahr, daher sollten stets beide Merkmale geprüft werden.
Verwandte giftige Arten der Sektion Xanthodermatei sind etwa Agaricus moelleri und Agaricus pilatianus mit demselben Phenolgeruch.
Lebensraum und Ökologie
Der Karbol-Champignon ist ein Saprobiont, der organisches Material in Boden und Streu abbaut. Er ist typisch für Gärten, Rasen, Parks, Hecken, Wegränder und die Ränder von Laub- und Mischwäldern, oft auf nährstoffreichen, gestörten Böden. Er erscheint vom Sommer bis zum Herbst, häufig in Gruppen oder Hexenringen, ist in Europa weit verbreitet und wurde auch aus Nordamerika, Australien und anderen Regionen gemeldet.
Da er nahe an Häusern wächst, ist er oft der erste wilde Champignon, den Anfänger finden, was seine Beteiligung an vielen Vergiftungen teilweise erklärt.
Verwendung und Bedeutung
Der Karbol-Champignon hat keinen Speisewert. Bedeutsam ist er, weil er leicht mit essbaren Wiesen- und Anis-Champignons verwechselt wird und in Europa und anderen Regionen, in denen wilde Champignons gesammelt werden, regelmässig an Vergiftungen beteiligt ist.
Die Giftstoffe sind nicht vollständig charakterisiert. In Arten der Sektion Xanthodermatei wurden phenolische Verbindungen wie Phenol und Hydrochinon nachgewiesen, die als Ursache für Geruch und Reizwirkung gelten. Die Empfindlichkeit ist individuell unterschiedlich: Manche Menschen berichten, ihn ohne Beschwerden gegessen zu haben, andere erkranken, weshalb Ratschläge aus dem Bekanntenkreis besonders unzuverlässig sind.
In der Pilzausbildung dient er dazu, bei jedem Champignon Geruch und Gilbungsreaktion zu prüfen.
Sicherheit und Speisewert
Der Karbol-Champignon ist giftig und sollte nicht gegessen werden. Die Symptome beginnen meist nach wenigen Stunden mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen, Durchfall, Schwitzen und Kopfschmerzen. Bei gesunden Erwachsenen verlaufen die meisten Fälle nicht lebensbedrohlich, Flüssigkeitsverlust kann aber für Kinder, ältere oder vorerkrankte Menschen gefährlich sein.
Wer ihn oder einen nicht bestimmten weissen Pilz gegessen hat, sollte sofort ärztliche Notfallhilfe suchen, auch vor Auftreten von Symptomen, und Pilzreste aufbewahren. Bedenken Sie, dass zu den weissen Pilzen auch die tödlichen weissen Knollenblätterpilze gehören.
Verlassen Sie sich nie auf eine Website, App oder ein Foto; lassen Sie jeden wilden Champignon persönlich von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen prüfen.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Essbare Verwandte wie der Zucht-Champignon (Agaricus bisporus) und seine Wildformen, der Wiesen-Champignon (Agaricus campestris) und der Schaf-Champignon (Agaricus arvensis) unterscheiden sich im Geruch: Wiesen-Champignons riechen mild, Schaf-Champignons und der Mandel-Egerling (Agaricus subrufescens) nach Anis oder Bittermandel. Schaf-Champignons können auf dem Hut langsam gilben, die Stielbasis wird im Schnitt aber nicht chromgelb. Der Parasol (Macrolepiota procera) hat weisse Lamellen und einen genatterten Stiel. Am gefährlichsten ist die Verwechslung mit weissen Knollenblätterpilzen, die weisse Lamellen und eine Knolle besitzen.
Regionale Hinweise
In Deutschland und in der Schweiz ist der Karbol-Champignon in Gärten, Parks, Friedhöfen und an Wegrändern häufig und gehört zu den Pilzen, die Pilzberatungsstellen besonders oft vorgelegt werden. Gerade in Städten wächst er oft zusammen mit essbaren Champignons, sodass jeder Fruchtkörper einzeln geprüft werden muss.


