Bestimmungsmerkmale
Der Zunderschwamm bildet massive, huf- bis glockenförmige Konsolen, die breit am Stamm angewachsen sind. Die Oberseite ist eine harte, glatte Kruste in Grau, Silbergrau oder Graubraun mit konzentrischen Zuwachszonen; der Rand ist oft heller und abgerundet. Unterseits liegen feine, runde, graubraune Poren, die beim Ritzen dunkeln. Die Fruchtkörper leben viele Jahre und bilden jede Saison eine neue Röhrenschicht.
Im Schnitt ist das Fleisch zäh, korkig und zimtbraun; nahe der Anwachsstelle sitzt ein charakteristischer körniger Myzelkern. Das Sporenpulver ist weiss bis blass gelblich, die Sporen sind gross, zylindrisch und glatt. Seit 2019 zeigen molekulare Studien, dass in Europa eine zweite, kryptische Art vorkommt, Fomes inzengae, die sich genetisch und in einigen Details unterscheidet; Verbreitung und Wirtsspektrum beider Arten werden noch erforscht.
Lebensraum und Ökologie
Fomes fomentarius ist in der gemässigten und borealen Nordhalbkugel weit verbreitet. In Mitteleuropa wächst er vor allem an Rotbuche, weiter nördlich und im Gebirge vor allem an Birke, gelegentlich an anderen Laubbäumen. Er ist ein Schwächeparasit, der meist über Wunden eindringt und auf stehenden oder liegenden toten Stämmen als Saprobiont weiterlebt. Die Weissfäule macht das Holz mürbe und führt häufig zum Stammbruch an der Befallsstelle. Vom Zunderschwamm besiedelte Stämme sind Lebensraum für viele Insekten, besonders spezialisierte Käfer, und für Höhlenbrüter; der Pilz ist daher wichtig für die Totholz-Biodiversität.
Verwendung und Bedeutung
Der Zunderschwamm gehört zu den ältesten bekannten Nutzpilzen. Der Mann aus dem Eis (Ötzi), der vor rund 5300 Jahren lebte, trug Stücke davon bei sich, die als Zunder gedeutet werden. Die weiche Mittelschicht ergibt nach Einweichen und Klopfen den Zunder, ein filzartiges Material, das Funken leicht aufnimmt. Er diente zum Feuermachen, als blutstillende Wundauflage, für Mützen und kleine Gegenstände in Teilen Mittel- und Osteuropas und wird von Fliegenfischern bis heute zum Trocknen der Fliegen verwendet.
Heute interessiert sich die Forschung für den Pilz im Zusammenhang mit myzelbasierten und lederähnlichen Materialien. Extrakte wurden im Labor auf antimikrobielle und antioxidative Aktivität geprüft. Klinische Belege für eine medizinische Anwendung gibt es nicht.
Sicherheit und Speisewert
Der Zunderschwamm ist kein Speisepilz: Die Fruchtkörper sind hart und holzig und sollten nicht als Lebensmittel zubereitet werden. Gelegentlich angebotene Extrakte oder Tees sind nicht durch klinische Studien gestützt; Nahrungsergänzungsmittel gelten in der EU als Lebensmittel, und für diese Art ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Sprechen Sie vor der Einnahme von Pilzpräparaten zu gesundheitlichen Zwecken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In Wäldern und Parks können stark befallene Bäume unvermittelt an der Befallsstelle brechen; das ist für die Verkehrssicherung relevant.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort Tox Info Suisse (145) oder im Notfall die Sanität (144) anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
Verwechslungsgefahr
Am häufigsten wird er mit dem Rotrandigen Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) verwechselt, der eine rötliche bis orange, harzig glänzende Randzone und helle, cremefarbene Poren hat, sowie mit Feuerschwämmen wie Phellinus igniarius, deren Kruste schwärzlich und rissig und deren Fleisch rostbraun und sehr hart ist, ohne körnigen Kern. Der Flache Lackporling (Ganoderma applanatum) ist flacher, hat eine weisse, bei Druck braun verfärbende Porenschicht und braunes Sporenpulver. An Birke sehen der weiche, nierenförmige Fomitopsis betulina und der schwarze, sterile Krebs von Inonotus obliquus deutlich anders aus.
Regionale Hinweise
In Deutschland ist der Zunderschwamm in Buchenwäldern sehr häufig und prägt besonders in naturnahen Wäldern mit viel Totholz das Bild; in Norddeutschland und im Bergland findet man ihn oft an Birken. Auch in der Schweiz ist er in Buchenwäldern verbreitet. Die Zunderherstellung war früher ein eigenes Handwerk; das Wort Zunder lebt in Redewendungen wie jemandem Zunder geben weiter.


