Essen Sie niemals einen Wildpilz, den Sie nur anhand einer Website, eines Buches oder einer App bestimmt haben. Lassen Sie jeden Fund persönlich von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen prüfen.
Bestimmungsmerkmale
Das Silberohr bildet weiche, durchscheinend weiße bis leicht cremefarbene Fruchtkörper aus vielen dünnen, gewellten Lappen, die an Seetang oder eine Chrysanthemenblüte erinnern. Frisch sind sie 4–15 cm groß und gallertig; getrocknet sind sie hart, brüchig und blassgelblich und quellen in Wasser stark auf. Das Sporenpulver ist weiß. Mikroskopisch hat Tremella längs septierte Basidien und bildet in Kultur hefeartige Zellen.
Tremella fuciformis ist ein Mykoparasit: In der Natur lebt es auf anderen Pilzen, vor allem auf Arten der Gattung Annulohypoxylon (früher Hypoxylon), die im selben Holz wachsen. Diese Partnerschaft ist für den Anbau unverzichtbar.
Lebensraum und Ökologie
Die Art wächst an toten Laubholzästen in tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Amerikas, Afrikas und Ozeaniens, meist nach Regen bei warmem Wetter. In weiten Teilen Europas kommt sie nicht natürlich vor; ähnlich aussehende weiße Gallertpilze gehören hier zu anderen Arten. Ihr Lebenszyklus hängt vom Wirtspilz ab, der das Holz zersetzt, während Tremella sich von dessen Myzel ernährt. In Mitteleuropa begegnet man stattdessen verwandten Zitterlingen wie dem Goldgelben Zitterling (Tremella mesenterica), der auf Rindenpilzen an totem Laubholz lebt und sich durch seine gelbe Farbe deutlich unterscheidet.
Verwendung und Bedeutung
In der chinesischen Küche wird das Silberohr vor allem in süßen Dessertsuppen verwendet, oft mit Kandiszucker, Jujuben, Goji-Beeren, Lotussamen oder Birnen, außerdem in herzhaften Suppen und Salaten. Es schmeckt kaum, verleiht aber eine seidige, leicht sämige Konsistenz. In der traditionellen chinesischen Praxis gilt es seit langem als stärkendes Lebensmittel.
Seine Polysaccharide binden große Mengen Wasser; deshalb werden Tremella-Extrakte als feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe in Hautpflegeprodukten eingesetzt. Labor- und Tierstudien haben außerdem antioxidative und immunbezogene Wirkungen dieser Polysaccharide untersucht; Daten am Menschen sind begrenzt und zeigen keine Heilwirkung. In der EU gelten Pilzpräparate als Lebensmittel und dürfen nur nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 zugelassene gesundheitsbezogene Angaben tragen. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Anbau
Der kommerzielle Anbau konzentriert sich auf China, insbesondere die Provinz Fujian. Beutel mit sterilisiertem Laubholzsubstrat oder Stämme werden mit einer Mischbrut beimpft, die Tremella fuciformis und den Partnerpilz Annulohypoxylon enthält; ohne den Partner entwickeln sich die Fruchtkörper schlecht. Die Inkubation erfolgt bei etwa 22–26 °C, die Fruchtbildung bei hoher Luftfeuchte und sorgfältiger Belüftung. Die Art gilt als anspruchsvoller als Austernpilz oder Shiitake, weil das Gleichgewicht zwischen beiden Pilzen gehalten werden muss.
Sicherheit und Speisewert
Das Silberohr ist essbar und wird normalerweise gegart. Getrocknete Ware sollte in sauberem Wasser im Kühlschrank eingeweicht und bald verwendet werden: Die Lebensmittelbehörde Hongkongs berichtete über Ausbrüche von Bongkreksäure-Vergiftungen in Südchina durch Silberohr und Mu-Err, die lange, oft mehr als zwei Tage, eingeweicht worden waren. Dieses Bakterientoxin kann tödlich sein; suchen Sie sofort notärztliche Hilfe, wenn jemand nach dem Verzehr lange eingeweichter Pilze erkrankt. Eingeweichte Pilze mit ungewöhnlichem Geruch oder Geschmack verwerfen. Wenn Sie Medikamente einnehmen oder eine Erkrankung haben, sprechen Sie vor der Einnahme konzentrierter Präparate mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort den Notruf 112 oder den Giftnotruf Ihres Bundeslandes anrufen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen, und Pilzreste aufbewahren.
In Deutschland
In Deutschland und der Schweiz ist das Silberohr vor allem getrocknet im Asia-Handel und als Inhaltsstoff von Kosmetika (Tremella-Extrakt) erhältlich. In der Natur kommt es in Mitteleuropa nicht vor.